Tote Mädchen lügen nicht (OT: 13 Reasons Why)

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©Netflix

Seit dem 18. Mai gibt es die zweite Staffel des hochgelobten Golden Globe-nominierten Dramas aus dem Hause Netflix, in dem ein verstorbenes Mädchen mit ihren Peinigern abrechnet, indem sie deren Geschichte auf sieben selbst besprochenen Kassetten erzählt. Zeit einen Blick zurück auf die erste Staffel zu werfen, um im Anschluss Euch nahezulegen ob die Fortsetzung auf ähnlichem Niveau anzusiedeln ist oder nicht…

Staffel 1:

Clay ist ein schüchterne Schüler an einer Highschool in Kalifornien, dessen Schwarm Hannah Baker vor kurzem Suizid begangen hat. Nicht, dass ihn das schon genug aus der Bahn geworfen hat, erhält er sieben Kassetten, die an diejenigen Personen gehen sollen, die mit ihren Handeln Hannas Entscheidung beeinflusst haben. So erfährt er mehr düstere Geheimnisse über die Personen in seinem Umfeld als ihm lieb ist.

Die erste Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ punktet durch eine einfühlsame Erzählweise in der sich Zeit genommen wird die wichtigsten Personen und ihr Handeln näher zu beleuchten. Dadurch entsteht ein abgerundeter Blick auf Ereignisse in Hannahs Leben, die ihren Beschluss bestärkt haben. Dieses recht heikle Thema des Suizids wird würdevoll abgehandelt und verlangt vor allem im letzten Drittel der Episoden vom Zuschauer einiges emotional ab. Das die Macher nicht auf Effekthascherei aus sind merkt man der Produktion deutlich an. Ihnen geht es darum den Zuschauer für Themen wie Mobbing, Identitätsfindung und sexuelle Übergriffe zu sensibilisieren und um (junge) Menschen einen Ausweg aus diesem Teufelskreis aufzuzeigen.

Neben dem gelungenem Setting, tragen vor allem die liebevoll ausgesuchten Musikstücke und die starken schauspielerischen Leistungen zum Gelingen der Serie bei. Allen vorran Katherine Langford, die für ihre zerbrechliche Darstellung für den Golden Globe nominiert wurde, Kate Walsh als Hannahs Mutter, die am Tod ihrer Tochter zu zerbrechen droht und Dylan Minnette, der das Herzstück der Serie darstellt. Spätestens wenn es um die ihm gewidmete Kassette geht bleibt wohl kein Auge trocken. Aber auch sonst liefert er eine wirklich beachtliche Leistung ab, nachdem er mir schon in „Labor Day“ an der Seite von Kate Winslet und Josh Brolin sehr positiv im Gedächtnis geblieben ist. Von ihm werden wir hoffentlich noch viel hören und sehen.

Folgen-/Wertungsübersicht:

  1. Kassette 1, Seite A (8,5/10)
  2. Kassette 1, Seite B (8,0/10)
  3. Kassette 2, Seite A (8,0/10)
  4. Kassette 2, Seite B (8,0/10)
  5. Kassette 3, Seite A (8,5/10)
  6. Kassette 3, Seite B (8,0/10)
  7. Kassette 4, Seite A (8,5/10)
  8. Kassette 4, Seite B (8,0/10)
  9. Kassette 5, Seite A (8,5/10)
  10. Kassette 5, Seite B (8,5/10)
  11. Kassette 6, Seite A (9,5*/10)
  12. Kassette 6, Seite B (9,0/10)
  13. Kassette 7, Seite A (9,5/10)
USA 2017 – 780 Minuten
Creator: Brian Yorkey
Genre: Drama
Darsteller: Dylan Minnette, Katherine Longford, Kate Walsh, Brandon Flynn, Alisha Boe, Derek Luke, uva.
©Netflix

Staffel 2:

Nach nur 5 Monaten fiel bereits die Klappe für die zweite Staffel, die Diskussionsräume eröffnet haben, die sich die meisten Teenager-Serien nicht herantrauen. Auch die zweite Staffel wird zu Diskussionen führen, zu polarisierend ist die finale Episode, die ich zusammen mit der ersten Folge für die beste der Staffel erachte – gerade weil sie so drastisch ist.

Wer glaubt, dass nach den ersten 13 Episoden alle Geheimnisse offenbart wurden, die zum Selbstmord von Hannah Baker führten, der irrt.

Hannahs Eltern wollen Gerechtigkeit und führen gegen die Liberty Highschool einen Prozess, der noch einmal alle Beteiligten durchleuchtet und die Geschehnisse aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Besonders Jessica gerät in den Blick der Öffentlichkeit und wird von Mitschülern für ihre Anschuldigungen gegenüber Bryce angefeindet, während Clay sich in Zwiegespräche mit der toten Hannah flüchtet.

Der Ansatz der zweiten Staffel den wichtigsten Charakteren mehr Raum zu geben, um einen tieferen Einblick in die geschehnisse zu geben ist löblich und zum größtenteil gelingt dies auch. 13 weitere Episoden hätten es für mich nicht sein müssen, denn dafür verliert man sich manchmal etwas zu sehr in Nebensächlichkeiten, jedoch überraschen die Schreiber mit neuartigen Personenkonstellationen und einem mutigen Handlungsverlauf.

Darstellerisch sind neben den Hauptdarstellern Dylan Minnette und Katherine Langford vor allem Derek Luke als gescheitereter Vertrauenslehrer und Alisha Boe als Jessica Davis, die ihre Vergewaltigung vor Gericht nochmal durchleiden, stark in ihren Rollen. Überstrahlt werden aber alle von Kate Walsh, die hier wohl ihre bisherige Karrierbestleistung als gerechtigkeitseinfordernde Mutter von Hannah abliefert. Wie sie immer wieder sichtlich um Fassung bemüht ist und ihre ganz eigene Art der Trauerbewältigung durchlebt, geht wirklich ans Herz. Erfreulicherweise überdosiert man Hannahs Präsenz nach ihrem Ableben nicht zu sehr, denn wie das eine Produktion nahezu zerstören kann, hat man in dem sonst thematisch ähnlich angelegtem Film „Cake“ mit Jennifer Aniston schmerzlich mit ansehen müssen.

An der finalen Episode scheitern sich wie schon erwähnt die Geister, ist aber wenn man die Figurenentwicklungen betrachtet logische Konsequenz gewesen, auch wenn die Gewaltdarstellung so explizit nichts für schwache Nerven ist.

Besonders zu empfehlen sind die Interviews mit den Darstellern, Produzenten und Selbstbetroffenen im anschließendem Special, die einen noch tieferen Einblick in die Serie und den sensiblen Umgang mit den Themen gewährt die Jugendliche wirklich beschäftigen.

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Folgen-/Wertungsübersicht:

  1. Das erste Polaroid (8,0/10)
  2. Zwei küssende Mädchen (7,5/10)
  3. Die betrunkene Schlampe (7,5/10)
  4. Das zweite Polaroid (7,0/10)
  5. Die Kalkmaschine (7,0/10)
  6. Das Lächeln an den Docks (7,0/10)
  7. Das dritte Polaroid (7,5/10)
  8. Das kleine Mädchen (7,5/10)
  9. Die fehlende Seite (7,5/10)
  10. Lächeln, Bitches (7,0/10)
  11. Bryce und Chloe (7,5/10)
  12. Die Kiste Polaroids (7,5/10)
  13. Bye (8,0*/10)
USA 2018 – 780 Minuten
Creator: Brian Yorkey
Genre: Drama
Darsteller: Dylan Minette, Katherine Langford, Kate Walsh, Alisha Boe, Christian Navarro, Brandon Flynn, Miles Heizer, Derek Luke, uva.

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